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![]() Das Bambus-Lexikon The Bamboo Lexicon |
Winterharte und immergrüne Fargesien stellen in den Augen vieler Gartenbesitzer das non plus ultra beim Bambus dar. Die dekorativen, horstig wachsenden Fargesien erfreuen sich immer größere Beliebtheit. Gerade in kleineren Hausgärten sind Fargesien oft die einzige Möglichkeit, Bambus zu kultivieren, ohne sich die Nachteile Ausläufer treibender Arten einzuhandeln. Im Vergleich zu den Riesengräsern mit einem großen Platzbedarf kommen einige Fargesien schon mit weniger als einem Quadratmeter aus. Durch Abstechen und Schneiden lassen sie sich sogar auf noch kleinerer Fläche kultivieren. Das arbeitsintensive Eingraben einer Rhizomsperre ist bei den Fargesien nicht nötig, denn sie treiben keine Ausläufer. Ein besonderer Trend sind die natürlichen und geschnittenen Fargesienhecken, die sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit erfreuen. Wer so viele Vorteile mitbringt, hat auch manchmal die falschen Freunde. So kommen zurzeit viele neue Sorten, auch ungetestete, auf den Markt. Kaum jemand hat da noch den Überblick über das, was angeboten wird.
![]() Nicht vermehrungswürdiger Sämling |
Die Bandbreite der Unterschiede der Sämlinge aus der blühenden Gartenbambusgeneration ist riesengroß. Das wird besonders in der sehr unterschiedlichen Winterhärte und Endhöhe deutlich. Außerdem unterscheiden sich die Sämlinge in der Wüchsigkeit (vom Krüppelwuchs bis zu Typen mit einer zu erwartenden Endhöhe von vier Meter), im äußeren Erscheinungsbild, wie Habitus, Blattgröße, Halm- und Blattfarbe, aber auch in der Sonnenverträglichkeit. Viele Sämlinge sind nicht einmal an schattigen Standorten zu kultivieren.
Nach meinen Kenntnissen erreicht bisher kein neuer Sämlings-Kultivar des Gartenbambus die Wüchsigkeit der ‘Alten Murieliae’ (neue Schreibweise von murielae), die fast an jedem Standort gut wüchsig war. Viele Betriebe haben sich wegen der immer häufiger auftretenden Blüte von den Sorten ’Phoenix’ (Favorit; Themse und Kranich), die den alten Gartenbambus in allen Eigenschaften noch weit übertraf, als Folge der Laborvermehrung, wieder getrennt. Viele der neuen Sorten sind nach meiner Ansicht nicht vermehrungswürdig. Vergleichspflanzungen des Bundessortenamtes und auch andere Testpflanzungen in botanischen und Privatgärten werden dieses in den nächsten Jahren belegen. Den Bambusfreunden ist daher vorerst anzuraten, nur Sorten mit Wuchsgarantie aus Fachbetrieben zu verwenden.
Die bekanntesten Kultivare mit Sortenschutz sind nachfolgend in der Reihenfolge ihrer zu erwartende Endhöhe aufgeführt: ‘Green Arrows’, ‘Dragon’, ‘Deep Forest’‚ ‘Standing Stone’, ‘Silver Bird’, ‘Falke’, ‘Heart of Darkness’, ‘Flamingo’ und ‘Schwan’. Diese Sorten stammen von Sämlingen aus den Jahren 1989 bis 1991 und werden bereits seit mehr als 10 Jahren getestet und vermehrt.
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Neue Sorten mit Sortenschutz sind: ‘Fresena’, ‘Eala’ (als gute Alternative zu ’Harewood’, ‘Leasch’ und ‘Smaragd’).
Weitere Kultivare mit Sorten- oder Markenschutz aus Deutschland: ‘Frya’ (siehe Bild).
Ähnlichkeit mit ‘Jumbo’: Nach meinen Erfahrungen ist ‘Frya’ wüchsiger, rollt die hellgrünen Blätter nicht so schnell, scheint winterhärter und stammt aus der ‘Neuen Sämlingsgeneration’ (1995 bis 1998).
Die sonnenverträgliche, vielversprechende ‘Fresena’ (siehe Bild unten) wird voraussichtlich ab Herbst 2006 lieferbar sein.
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‘Jonnys Gigant’, ‘Augustinus’ und ‘Snow Giant’ aus Deutschland. Nach vorliegenden Informationen wurde die Sorte ‘Snow Giant’ im Labor vermehrt. Aus Dänemark kommen folgende Sorten auf den Markt: ‘Dino’, ‘Mammut’ (zum Teil blühend), ‘Super-Jumbo’, ‘Jutu’ und ‘Hutu’. Bei den Kultivaren aus Dänemark gebe ich zu bedenken, dass die Sorten für Dänemark (hohe Luftfeuchtigkeit, milde Winter und keine heißen Sommertage) selektiert wurden und sich in unseren Breiten noch erst bewähren müssen.
‘New Century’, ‘Pinoccio’, ‘Lava’, ‘Vamphire’, ‘Joy’, ‘Ami’ und ‘Mae’ aus den Niederlanden. Diese Sorten sind für mich Verlegenheitssorten, da sie weder wüchsig sind, noch etwas Besonderes darstellen. Viele bambusbegeisterte Gärtner und Baumschüler in Europa haben eigene, teilweise durchaus gute Sämlinge vermehrt. In der Regel handelt es sich allerdings um nicht vermehrungswürdige Sämlinge, die mehr breit als hoch wachsen, nur selten für sonnige Standorte oder kältere Gegenden geeignet sind. Bei den regional guten Sämlingen liegt der Vorteil darin, dass sich diese Sämlinge schon dem regionalen Klima anpassen konnten, in dem sie gewachsen sind. Dies begrenzt allerdings auch ihre Verwendung in anderen klimatischen Verhältnissen.
![]() Blüte an einer Laborvermehrung |
Für die Vermehrungsbetriebe ist zu hoffen, dass es gelingt, sich auf einheitliche Standards zu einigen. Für die Pflanzenfreunde wäre eine kritische Nachfrage nach genau diesen Standards anzuraten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der gute Ruf des Gartenbambus, der schon durch die vorzeitige Blüte bei den in Meristem (Labor) vermehrten Nachkommen gelitten hat, insgesamt Schaden nimmt.
Damit wäre letztlich keinem geholfen, und eine von vielen geschätzte Pflanzensorte, deren Eleganz und Wüchsigkeit seit Jahrzehnten überzeugt hat, würde zu Unrecht ins Abseits gedrängt.
Meine bisherigen Favoriten sind: ‘Green Arrows’, ‘Dragon’, ‘Standing Stone’, ‘Flamingo’ und ‘Fresena’. Verzichtet werden sollte auf die Kultivare aus den Niederlanden, außerdem auf ‘Smaragd’, ‘Jonnys Gigant’, ‘Heart of Darkness’, ‘Super- Jumbo’ und die im Handel befindlichen unselektierten Sämlinge, da ähnliche und bessere Typen sich bereits im Handel befinden, oder zum Sortenschutz angemeldet sind.
Ich kann nur über die bei mir zum Test ausgepflanzten oder die mir bekannten Kultivare berichten, die ich beobachte. Sollte mir der eine oder andere, vielleicht wichtige Typ entgangen sein, so würde ich mich über Informationen freuen. Bitte senden an fv@bambus-lexikon.de
![]() Fargesia murielae ’Flamingo’ im 3. Standjahr | ![]() Fargesia murielae ’Bimbo’ | |
© Das Bambus-Lexikon wurde als frei zugängliche Datenbank nach einer Idee von Fred Vaupel 2005 erstellt und erarbeitet.
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